Spikes: welche Länge, welche Form und welcher Schuh?

Beim Spikekauf sind es zwei Entscheidungen, nicht eine: der Schuh und die Dornen. Der Schuh richtet sich nach der Disziplin, die Dornen nach dem Belag – und nach dem, was das Stadion erlaubt. Beides wird regelmäßig verwechselt, mit dem Ergebnis, dass jemand am Wettkampftag nicht starten darf.

Die kurze Antwort

Wer sich nicht festlegen will: 6 Millimeter, Pyramidenform. Damit seid ihr auf praktisch jeder Kunststoffbahn in Deutschland startberechtigt, ohne vorher nachfragen zu müssen. Alles andere sind Feinheiten – wichtige, aber Feinheiten.

Dornenlänge nach Belag

Belag oder EinsatzLänge
Kunststoffbahn, Standard6 mm
Aschenbahn9 mm, bei weicher Asche bis 12 mm
Hochsprung und Speerwurfbis 12 mm zulässig
Crosslauf und Gelände9–15 mm je nach Boden
Schnee und Eis15–18 mm

Was die Regeln sagen – und was das Stadion sagt

Nach den internationalen Wettkampfregeln sind auf der Bahn maximal 9 Millimeter erlaubt, für Hochsprung und Speerwurf bis 12 Millimeter. Diese beiden Disziplinen sind die Ausnahme, weil der Fuß beim Absprung beziehungsweise beim Abwurf vollständig aufgesetzt wird – deshalb haben die Schuhe dort auch Dornen im Fersenbereich.

Entscheidend ist aber meist nicht die Regel, sondern die Hausordnung. Sehr viele Stadien begrenzen zusätzlich auf 6 Millimeter, um den Belag zu schonen. Das ist keine internationale Vorschrift, sondern eine örtliche Auflage – und sie gilt trotzdem. Wer mit 9 Millimetern anreist, steht im Zweifel daneben.

Im Zweifel also: vorher beim Ausrichter oder Platzwart fragen. Oder gleich 6 Millimeter nehmen.

Die Dornenformen

Pyramide. Der Allrounder. Läuft sich auf jedem Belag, sticht sauber ein, hält lange. Wenn nichts dagegen spricht: die hier.

Nadel. Dünner und spitzer, für leichte Athletinnen und Athleten auf harten Belägen. Greift schneller, verschleißt aber auch schneller.

Kompressionsdorn. Verdichtet den Belag, statt ihn zu durchstechen. Belagschonend – und genau deshalb an manchen Anlagen vorgeschrieben.

Tannenbaum. Gestufte Form mit sehr gutem Grip, die aber den Belag angreifen kann. An vielen Anlagen nicht gern gesehen oder untersagt. Vorher klären.

Blindstopfen. Keine Dornen, sondern Stopfen für unbenutzte Gewinde. Kein Zubehör, sondern Pflicht: Ein offenes Gewinde setzt sich mit Dreck zu, und dann bekommt ihr nie wieder einen Dorn hinein.

Welcher Spikeschuh für welche Disziplin?

Der Unterschied liegt in der Sohlenplatte: Je kürzer die Strecke, desto starrer der Schuh. Je länger die Strecke, desto mehr Dämpfung und Flexibilität.

DisziplinWas der Schuh können muss
Sprint bis 400 m, Hürdenstarre Platte, keine Fersendämpfung, maximale Kraftübertragung
Mittelstreckeetwas flexiblere Platte, leichte Fersendämpfung
Langstreckeflexible Sohle, deutliche Dämpfung, weniger Dornen
Weitsprung, Dreisprung, Stabhochsprungsprintähnlich, stabil, für den Anlauf gebaut
Hochsprungzusätzlich Dornen in der Ferse, fester Halt beim Absprung
SpeerwurfDornen in der Ferse, höherer Schaft, Halt beim Abstoppen
Crosslaufgrobe Sohle, längere Dornen, mehr Schutz von außen

Einen Allroundspike gibt es nicht. Wer im Verein mehrere Disziplinen macht, fährt mit einem Sprintmodell am breitesten – für Hochsprung und Speerwurf bleibt es aber ein Kompromiss, weil die Fersendornen fehlen.

Bei Kindern und Jugendlichen

Spikes sind nichts für den Einstieg. Sie sind hart, eng und verlangen eine Lauftechnik, die erst entstehen muss. Wann sie sinnvoll werden, entscheidet ihr besser mit dem Trainer als mit dem Katalog – manche Vereine und Kreise haben dazu eigene Vorgaben.

Wenn es so weit ist: Spikes sitzen enger als Laufschuhe, aber nichts darf drücken oder stauchen. Und nicht „zum Reinwachsen" kaufen – ein zu großer Spike rutscht im Anlauf, und genau dort soll er sitzen.

Dornen wechseln, bevor es zu spät ist

Abgelaufene Dornen sind stumpf und greifen nicht mehr, verbogene beschädigen die Bahn. Beides gehört getauscht – und zwar in den Tagen vor dem Wettkampf, nicht eine Stunde davor.

Dornen sitzen manchmal fest. Was hilft: den Schuh kurz in warmem Wasser einweichen, damit sich Schmutz im Gewinde löst, und einen richtigen Spikeschlüssel benutzen statt einer Zange. Nach dem Wettkampf die Schuhe trocknen lassen, nicht nass in den Rucksack – dort rostet das Gewinde fest.

Was in jede Wettkampftasche gehört

  • Spikeschlüssel – der wichtigste Handgriff, den niemand dabei hat
  • Ein Satz Ersatzdornen in der Länge, die ihr braucht
  • Blindstopfen für die Gewinde, die frei bleiben
  • Ein zweiter Satz in 6 mm, falls das Stadion strenger ist als gedacht

Ersatzdornen, Spikeschlüssel und Blindstopfen führen wir – sie liegen im Zubehör zu den Spikes. Das ist der typische Nachkauf, der immer dann fehlt, wenn es darauf ankommt.

Unsicher, was ihr braucht?

Sagt uns die Disziplin, die Altersklasse und wo trainiert wird, dann sagen wir euch, welcher Schuh und welche Dornenlänge passt – und welche ihr euch sparen könnt. Für Abteilungen, die komplett ausgestattet werden, machen wir das im Rahmen der Beratung ohnehin.

Direkt zum Sortiment: Spikes und Spezialschuhe und das Zubehör. Außerdem: unsere Größentabellen für die einzelnen Marken und der Teamshop für Vereine, wenn eure Abteilung über den Verein bestellt.